Baumwolle. Was steckt dahinter?

Stoffwelt. rauffaser -blog.

Schön, dass du dem Weg zu meinem ersten Blogbeitrag gefolgt bist.

In Zukunft gibt es für alle Näher und Näherinnen, Selbermacher*innen, Textilinteressierten und kreativen Menschen verschiedene, interessante textile Themen. Die Beiträge sollen Platz für Spaß, Anregungen oder Informationen für Verbesserungen bieten und euch die eine oder andere Frage an dieser Stelle beantworten. Hinterlasst mir gerne euer Feedback!

Im ersten Teil des Blogs schreibe ich über Baumwolle. Hier bleibt vorab zu sagen, dass ich euch inhaltlich weniger mit geschichtlichen Daten und auch nicht mit seitenlangen Texten oder tiefgehenden technischen Begrifflichkeiten verwirren möchte, sondern diesem Blog lieber einen kurzen, informativen, anregenden Charakter gebe.

 

Baumwolle - was ist das eigentlich?

Baumwolle wächst strauch- oder baumartig und kann eine Höhe von bis zu 2 m erreichen. Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen ca. 175 bis 225 Tage. Die Fruchtknoten in der Blüte verwandeln sich nach der Befruchtung zur Kapsel. Die Blüte hat nach ca. 3

Wochen ihr volle Größe erreicht und nach ca. 50 Tagen nach der Blüte entspringen die Samenfasern aus der Kapsel. Für den Anbau der Baumwollpflanze wird sehr viel Wasser und ein subtropisches bis tropisches Klima benötigt. Hauptanbaugebiete der Baumwolle sind Länder wie:

  • China
  • Indien
  • USA
  • Pakistan
  • Brasilien
  • Usbekistan
  • Australien

Ich selbst konnte während meiner Studienzeit in den USA an der Auburn University verschiedene Baumwollfelder in den Südstaaten besuchen und war überaus beeindruckt von den riesigen Anbauflächen.

Stoffe Kissen Deko rauffaser
Áuburn University - Textile Engineering

Die Ernte erfolgt per Hand oder maschinell, wobei der Großteil heutzutage aufgrund der höheren Leistung maschinell mit der sogenannten Abstreifmaschine (Stripper) oder dem Spindelpflücker (Spindle Picker) abgeerntet wird. Die Handernte beschränkt sich auf ausgesuchte zumeist biologisch angebaute Baumwolle. Die maschinelle Ernte bringt nicht nur Vorteile mit sich; so wird bei der Ernte nicht ausschließlich die Faser abgeerntet, sondern auch jede Menge weiterer Pflanzenteile, die aufwendig in nachfolgenden Prozessen wieder entfernt werden müssen.

 

Was passiert nach der Ernte?

Zunächst erfolgt eine Gruppierung der Ernte der Fasern nach:

  • Länge
  • Farbe
  • Reinheit
  • Festigkeit
  • Reifegrad

Dem Einen oder Anderen ist bestimmt die Bezeichnung „PIMA cotton“ ein Begriff. Bei dieser Baumwolle werden zum Beispiel nur Fasern eingesetzt, die den oben genannten Eigenschaften mit einer überaus positiven Qualität entsprechen. Zu den besonders hochwertigen Baumwollen zählt auch gekämmte Baumwolle. Hierbei ist die Faserlänge im Garn ausschlaggebend. Die Faserlänge bei gewöhnlicher Baumwolle beträgt 10-60 mm. Der Anteil der „langen Fasern“ kann wiederum in einem extra Prozess durch ein Auskämmen der Kurzfasern und sogenannter Nissen erhöht werden. Dieser Effekt führt zu einem weicheren und strapazierfähigen Endprodukt mit außergewöhnlichem Glanz. Um ein Garn herzustellen, wird der Rohstoff gereinigt, gemischt, evtl. gefärbt und zu einem Faden versponnen.

Prozess Garnherstellung rauffaser

Hier siehst du die Vielzahl der verschiedenen Prozessschritte und die Aufgaben tabellarisch, die allein für die Herstellung der Garne! eingesetzt werden.

Sollte dir einmal der Begriff „tex“ oder auch „dtex“ über den Weg laufen, so handelt es sich hierbei um eine Feinheitsangabe des Garnes. Es gibt  an, wie schwer das Garn auf einer bestimmten Länge ist.

tex = g/1000m

dtex = g/10.000m

So sind zum Beispiel 50tex -> 50g pro 1000 Laufmeter Garn. Im deutschsprachigen Raum wird ebenfalls sehr gerne die Bezeichnung Nm (nummermetrisch) verwendet, was so viel bedeutet wie Gramm pro Meter. Nm 50 bedeutet dementsprechend 50 Gramm pro einem Laufmeter Garn. Der textile Faden wiederum kann im Anschluss als reiner Baumwollfaden, als Fasermischung oder auch als Garnmischung zu einer textilen Fläche, beispielsweise  einem Gewebe oder zu den vielfach bekannten dehnbaren Strickwaren weiterverarbeitet werden.

 

Die wesentlichen Vorteile der Baumwolle sind der angenehme Tragekomfort und je nach Anwendungsbedarf eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme. Als Nachteile sind zu nennen, dass Baumwolle zum Knittern neigt und einläuft. Daher ist bei Baumwolle vor dem Zuschnitt bzw. dem Vernähen eine Vorwäsche immer zu empfehlen.

Biobaumwolle In den letzten Jahren steigt gerade in der Bekleidungsbranche die Nachfrage nach Biobaumwolle, so achtet der Endverbraucher immer mehr auf den ökologischen Anbau des Rohstoffs. Doch wieviel Bio steckt wirklich im Produkt? Es sind viele Fasermischungen am Markt und auch gibt es immer wieder Meldungen, in denen Baumwolllieferungen absichtlich falsch deklariert wurden. Davon abgesehen, dass beispielsweise Arbeitsbedingungen mit einem Biosiegel gar nicht abgedeckt werden. Hierzu könnte man sicher auch ein ganzes Buch schreiben. Dennoch gibt es verschiedene Gütesiegel am Markt, die zumindest einen verbesserten ökologischen Anbau garantieren sollen. Als Beispiel sind hier das „Fair Certified Cotton“ und das „Global Organic Textile Standart“ (kurz GOTS) zu nennen. Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Textilindustrie noch weiter beschäftigen möchte, dem kann ich die folgenden Empfehlungen ans Herz legen:

Buch: Saubere Sachen von Kirsten Brodde

Film: The True Costs – Der Preis der Mode

Was ist denn jetzt eigentlich besser?- Baumwolle vs. Chemiefaser

Die Chemiefaser ist oftmals sehr verpönt und das sicher in einem gewissen Maße auch zu Recht. In diesem Artikel beschreibe ich, dass nur Baumwolle auch nicht die Lösung aller Probleme ist. So ist festzuhalten, dass der Wasserverbrauch für 1 kg Baumwolle bei 11.000 Liter liegt, was zu verheerenderen Schädigungen der Umwelt wie beispielsweise Austrocknen des Aralsees führt. Weiterhin hat sich Anbau der 5 wichtigsten Erzeugerländer seit den 70er Jahren verdreifacht. Die Baumwolle als Monokultur ist mittlerweile die weltweit am meisten nicht essbare angebaute Nutzpflanze. Monokulturen sind sehr anfällig gegenüber Schädlingen, die chemisch bekämpft werden müssen. Des Weiteren kann auch auf Kunstdünger und  auf Gentechnik beim Anbau vielfach nicht verzichtet werden. Am Ende haben eine Menge Faktoren Einfluss auf die Qualität und Nachhaltigkeit von Baumwolle, die sich natürlich auch in den Preisen wiederspiegeln. In erster Linie sollten Textilien keine modischen Wegwerfartikel , sondern durch eine entsprechende Qualität lange Zeit nutzbar sein. Chemiefaser, aber auch weitere natürliche Fasern, wie zum Beispiel Leinen oder Hanf, die Lange Zeit in unserer Gegend sehr bekannt waren, sind durchaus sinnvolle Alternativen zur Baumwolle.

 

Wo wird Baumwolle eingesetzt?

Baumwolle ist in eigentlich allen Bereichen der Textilbranche zu Hause, so wird sogar 10% der gesamten Baumwolle im Bereich der technischen Textilien wie beispielsweise in der Medizintechnik eingesetzt. Die Baumwollfaser kann als reiner Faden oder auch als Mischung bereits im Garn in der textilen Fläche eingesetzt werden. Eine textile Fläche (Stoff) wiederum wird als Gewebe und zum dehnbaren Textil weiterverarbeitet als Strickware bezeichnet. Wobei wir auch gleich beim nächsten Blogthema angekommen sind; dort werde ich euch einige Textilarten und deren Vor- und Nachteile sowie verschiedene Anwendungsbereiche vorstellen.

 

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Stoffwelt. Textil. Blog.


Quellen:

Textile Fertigungsverfahren / Hanser Verlag

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Kommentare: 1
  • #1

    Lieschen (Sonntag, 06 März 2016 11:13)

    Dein Artikel über die Baumwolle ist wirklich sehr ausführlich und gut geschrieben. Vor allem hast du die Herstellung für jeden sehr verständlich und in guten Worten beschrieben! Schade finde ich, dass der Hinweis über die unglaubliche Umweltbelastung, viel zu kurz gehalten wurde und viel zu weit unten platziert ist. Warum die Chemiefaser als schlecht gilt und wie sie im Vergleich zur Baumwolle steht, hast du nur erwähnt aber bist leider nicht mehr weiter drauf eingegangen.. Gerade das, finde ich mittlerweile so wichtig und interessant. So viele Leute denken immer noch, dass die Naturfasern die Besseren sind, nur weil sie aus der Natur kommen. Wie den Schafen, in der Massentierhaltung, die Wolle brutal geschoren werden, das Baumwolle so viel Wasser verbraucht, dass Seen austrocknen und in Ländern angebaut wird, in denen eh schon Wasserknappheit herrscht oder die Seidenspinnraupen auf Farmen Seide spinnt, bis sie stirbt, wissen die Wenigsten. Ich finde, diese Informationen, sollten mit dazu gehören. Die Menschen sollten auch in diesem Bereich mehr mitdenken.. Ansonsten, freu ich mich schon auf den nächsten Artikel!:)

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